Ausreden entkräften
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Sei stärker als deine stärkste Ausrede

Diese Woche hat mich das Thema Ausreden sehr stark beschäftigt. Ich meine damit nicht die Ausreden, die du deinem Chef auftischst, weshalb du eine Aufgabe noch nicht fertig hast oder die du deiner Mutter erzählst, weshalb du sie heute nicht zu Tante Trude begleiten kannst. Ich schreibe hier von den Ausreden, die wir uns selbst erzählen, damit wir uns selbst erlauben können, bestimmte Dinge nicht tun zu müssen. Ich musste ziemlich viel darüber nachdenken und dabei ist mir aufgefallen, wie viele Ausreden ich mir eigentlich selbst auftische. Immer und immer wieder. Jeden Tag. Aber was genau passiert da eigentlich? Das habe ich mir mal etwas näher angeschaut.

Ausreden bewahren uns vor Streit

Zunächst einmal sind Ausreden etwas zu tiefst menschliches. Ihren Ursprung haben sie in grauer Vorzeit. Sie sind entstanden, um sozialen Frieden zu wahren. Also eigentlich denkt sich unser Unterbewusstsein Ausreden aus, um uns vor Streit mit unseren Mitmenschen zu bewahren. Und als solches nutzen wir sie ja auch heute noch fast täglich. So können wir Dinge tun bzw. lassen, ohne von unseren Mitmenschen sanktioniert zu werden. Haben wir eine gute Ausrede parat, ernten wir Verständnis und niemand ist sauer auf uns.

Ausreden sparen Energie

Im Grunde sparen wir so also auch viel Energie. Wir müssen zum einen nicht diese unangenehme Sache tun und zum anderen auch keinen Streit vom Zaun brechen. Das findet unser Unterbewusstsein ganz prima und hat so Anreiz das öfter zu tun.

Die Ausreden, die wir uns selbst erzählen

Weil unser Unterbewusstsein die Ausrede als grandiosen Vermeidungs-Mechanismus entdeckt hat, erzählen wir uns auch selbst die besten Ausreden. Wir finden tausend Gründe, weshalb wir irgendetwas nicht tun können oder unbedingt tun müssen, die unseren Zielen eigentlich zuwider stehen. Wir erteilen uns mit einer glaubhaften Ausrede die Absolution und müssen so nicht ändern und können im alten Trott verweilen.

Ausreden beim Abnehmen

Beim Abnehmen wird das besonders sichtbar. Das liegt daran, dass du für deine Diät und deine Ziele, dein Leben ganz schön auf den Kopf stellst. Du isst plötzlich andere Dinge, zu anderen Zeiten oder lässt bestimmte Lebensmittel weg. Plötzlich machst du mehr Sport und bewegst dich viel. Du legst viele Gewohnheiten, wie das Stück Kuchen zum Kaffee ab. Das alles kostet viel Energie und dein Unterbewusstsein findet genau das gar nicht gut. Also sucht es nach Gründen, weshalb du das Stück Kuchen doch essen darfst oder weshalb du heute mal keinen Sport machen musst. Es will einfach, dass es dir jetzt gut geht und du bei deinen Alten Gewohnheiten bleiben kannst. Da war es doch so gemütlich und bis jetzt haben die doch sehr gut funktioniert.

Erkenne deine Ausreden

Der erste Schritt den Ausreden keine Chance mehr zu geben ist es, sie zu identifizieren. Du erkennst sie daran, dass sie oft ein „aber“ oder ein „weil“ enthalten. Hier ein paar typische Ausreden. Vielleicht hast du dir ja die ein oder andere auch schon erzählt.

1. Ich würde ja gerne abnehmen, aber im Moment habe ich keine Zeit

Viele von uns haben einen vollgestopften Terminkalender. Wir müssen zu Arbeit, zum Kundentermin, zum Meeting. Danach warten dann Familien- und Freizeitstress. Wir haben oft das Gefühl, nicht genug Zeit zu haben für Sport, Alltagsbewegung und gesundes Essen.

Aber sei mal ehrlich? Wer teilt denn deine Zeit ein? Das bist nur du. Es hat selten mit zu wenig Zeit zu tun. Es ist immer eine Frage der Prioritäten. Diese Ausrede erzählst du dir nur, damit du im alten gemütlichen Trott bleiben kannst. Schau mal ganz schonungslos auf deinen Tag und auf die Momente in denen du Zeit einfach vertrödelst. Wie oft hängst du vorm Internet und schaust dir Katzenvideos an oder suchst auf Wikipedia nach irgendeinem unwichtigen Blödsinn. Diese Zeit könntest du auch super dafür verwenden, an deinen Zielen zu arbeiten. Die Ausrede „keine Zeit“ zählt also nicht. Setze Prioritäten. Das Abnehmen ist so ein riesen Projekt, das so viele Veränderungen fordert. Wenn es nicht auf deiner Prioritäten-Liste auf einer der ersten drei Plätze steht, wirst du es sicherlich nicht schaffen.

2. Ich will ja abnehmen, aber jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt

Am Wochenende ist noch diese Party. Es steht noch Weihnachten, Karneval, Ostern vor der Tür. Ich hab doch bald Geburtstag und danach hat Fritzchen Geburtstag und dann Paulchen… Das will ich noch mitnehmen. An diesem Tag will ich mich ja nicht einschränken. Dein Unterbewusstsein liefert dir hiermit die perfekte Ausrede, um gar nicht erst anzufangen. Du schiebst den Start einfach nach hinten. Aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben. Das beruhigt und du hast kein schlechtes Gewissen. Bald fängst du schließlich an. Aber es wird immer eine Part oder einen Urlaub geben. Der perfekte Zeitpunkt, um anzufangen ist immer jetzt! Du kannst dir ja immernoch überlegen, wie du mit der Party umgehst. Aber dieser einer Tag ist kein Grund, die anderen Tage auch nichts für deine Ziele zu tun. Er ist kein Grund, um gar nicht erst anzufangen.

3. Ich schaffe es nicht abzunehmen, weil ich keine Unterstützung bekomme

Wenn die Familie nicht mitzieht und Freunde uns sabotieren, macht das unsere Diät sicherlich nicht leichter. Sie aber als Ausrede zu benutzen, weshalb wir es nicht schaffen, führt uns auch nicht ans Ziel. Für dein Unterbewusstsein ist es ein gefundenes Treffen. Super, ich kann es ja gar nicht schaffen, weil mir keiner hilft. Da brauch ich auch gar nix zu ändern. Wenn du etwas wirklich willst, wirst du alles dafür tun. Ob es deiner Familie nun passt oder nicht. Brauchst du Unterstützung und findest sie bei ihnen nicht, dann suche sie dir woanders.

4. Ich halte keine Diät durch, weil ich keine Disziplin habe

Ich habe auch jahrelang geglaubt, dass es mir an Willenskraft fehlt um eine Diät durchzuziehen. Das ist eine ganz typische Geschichte, die ich mir immer wieder selbst erzählt habe.

Jeder besitzt die Willenskraft seine Ziele zu erreichen. Du musst einen Weg finden sie einerseits zu stärken und andererseits zu schonen. Schonen kannst du es in dem du zum Beispiel ganz feste Regeln aufstellst (lies dazu nochmal hier) und so die vielen Essensentscheidungen, die du zu treffen hast minimierst. Stelle Pläne auf und halte dich dann daran. Komme was da wolle. Stärken kannst du deine Willenskraft, indem du dir deine Ziele immer wieder vor Augen führst. Mache dir sooft es geht klar, was du wirklich willst.

5. Ich schaffe das eh nicht. Bei uns liegt Übergewicht in der Familie

Viele Menschen denken, dass Übergewicht etwas mit den Genen zu tun hat. Das liegt ja auch irgendwie nahe. Betrachtet man sich Familien ist es sehr häufig so, dass dicke Eltern auch dicke Kinder haben. Für das Unterbewusstsein ist das eine ziemlich bequeme Ausreden, denn an den Genen können wir rein gar nicht ändern. Wenn die Gene Schuld sind, trägst du keine Verantwortung. Du kannst dich getrost zurück lehnen und dir die Pizza schmecken lassen.

Aber so etwas wie ein Dicken-Gen gibt es nicht. In 90% aller Fälle hat Übergewicht nicht mit einem Gen-Defekt oder einer Krankheit zu tun sondern mit deinem Lebensstil. Den eignen wir uns häufig von unseren Eltern an und deshalb haben dicke Eltern oft auch dicke Kinder. Du hast es also in der Hand und kannst etwas ändern. Die Verantwortung liegt bei dir.

Ausreden sind Symptome für inneren Widerstand

Sie sind Begleiterscheinungen jeder Verhaltensänderung. Das an sich ist also ganz normal. Dein Unterbewusstsein will am liebsten, das alles beim Alten bleibt. Es hat sich mit deinen Gewohnheiten bequem eingerichtet und will dass alles so bleibt, wie es ist. Das schafft es, indem es dir Ausreden auftischt. „Neee, heute keine Sport, ich bin so müde.“ und schwupps liegst du auf dem Sofa und guckst deine Lieblingsserie. Es ist also essenziell, dass du deine Ausreden entkräftest.

– Ausreden verbrennen keine Kalorien –

Ausreden entkräften

Im Grunde ist das ganz einfach. Im ersten Schritt musst du dir deine Ausreden bewusst machen. Beobachte dich und sei achtsam, wann erzählst du dir selbst eine Ausrede. Vielleicht fallen dir auf Anhieb schon einige typische Dinge ein, die du dir erzählst um faul sein zu dürfen. Schreib sie dir alle auf. Und dann finde für jede Ausrede mindestens drei Gegenargumente. Diese Argumente müssen persönlich sein und dich richtig überzeugen. „Ja ich bin müde, aber wenn ich mich jetzt noch aufraffe fühle ich mich danach richtig gut und bin mega stolz auf mich. Wenn ich mich jetzt aufraffe, ist das ein Schritt mehr nach vorn zu meinem Ziel. Wenn ich mich jetzt aufraffe, wird es mir auch morgen leichter fallen.“ So in der Art vielleicht.

Lass es gar nicht erst zu Ausreden kommen

Das ist natürlich die Königs-Disziplin. Lasse dir so wenig Raum wie möglich für Ausreden. Wenn du keine Möglichkeit hast, mit dir selbst zu diskutieren, musst du auch keine Energie und Willenskraft dafür aufwenden, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Räume alle möglichen Hürden schon im Vorfeld aus dem Weg und mache es dir so leichter.

Du willst auf der Arbeit nicht mehr naschen? Dann nimm dir was gesundes zum snacken mit. Du hast dir vorgenommen vor der Arbeit joggen zu gehen? Leg die Sportsachen am Abend schon parat. Du willst nach der Arbeit ins Fitnessstudio gehen? Nimm deine Sportsachen gleich mit und fahr nicht erst nach Hause. Wenn du das Sofa nicht im Blick hast, fällt es dir leichter, deinen Plan in die Tat umzusetzen.

Ich hoffe, die Tipps helfen dir.

Ich mache mich da jedenfalls verstärkt ran. Denn ich bin scheinbar die Königin der Ausreden 😉

Was erzählst du dir für Ausreden??

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